Audi gehört zu den bekanntesten Automobilmarken der Welt. Wer aber konkret hinter dem Unternehmen steckt, wie die Konzernstruktur aussieht und was sich in den letzten Jahren verändert hat, lässt sich nicht mit einem einzigen Satz beantworten. Dieser Artikel gibt einen vollständigen Überblick zum Stand April 2026.
Audi ist keine eigenständig börsennotierte Gesellschaft. Die Audi AG mit Sitz in Ingolstadt gehört zu weit über 99 Prozent der Volkswagen AG. Nur ein minimaler Restanteil befindet sich im Streubesitz. Volkswagen hält also faktisch die vollständige Kontrolle über Audi und alle strategischen Entscheidungen des Unternehmens.
Volkswagen selbst ist ein komplexes Geflecht. Den größten Einfluss auf den Konzern hat die Porsche Automobil Holding SE, eine Holdinggesellschaft der Familien Porsche und Piëch. Sie kontrolliert rund 53 Prozent der Stimmrechte an der VW AG. Das Land Niedersachsen hält rund 20 Prozent der Stimmrechte und hat damit ebenfalls erheblichen Einfluss. Der Rest verteilt sich auf institutionelle Investoren, Fonds und Privatanleger, die VW-Aktien halten.
| Ebene | Gesellschaft | Anteil an Audi |
|---|---|---|
| Direkteigentümer | Volkswagen AG | über 99 Prozent |
| Mehrheitsaktionär VW | Porsche Automobil Holding SE | ca. 53% der VW-Stimmrechte |
| Weiterer Großaktionär VW | Land Niedersachsen | ca. 20% der VW-Stimmrechte |
| Hinter der Holding | Familien Porsche und Piëch | Mehrheit der Porsche Holding SE |
Audi ist innerhalb des Volkswagen-Konzerns nicht irgendeine Marke, sondern die Führungsmarke der sogenannten Markengruppe Progressive. Zu dieser Gruppe gehören neben Audi auch Bentley, Lamborghini und Ducati. Gernot Döllner leitet als Audi-CEO gleichzeitig diese gesamte Markengruppe im Konzernvorstand von Volkswagen.
Die Markengruppe Progressive erzielte im Geschäftsjahr 2025 mit Audi, Bentley und Lamborghini zusammen 1.644.429 Auslieferungen. Das war ein Rückgang von 2,8 Prozent gegenüber dem Vorjahr, vor allem bedingt durch den intensiven Wettbewerb in China und die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen weltweit.
Seit dem 1. September 2023 ist Gernot Döllner Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Er folgte auf Markus Duesmann, der das Unternehmen seit 2020 geleitet hatte. Döllner ist ein langjähriger Volkswagen-Konzern-Mann: Bereits 1993 begann er als Doktorand bei VW, später war er in Führungspositionen bei Porsche tätig und leitete die Konzern- und Produktstrategie des VW-Konzerns.
Im Herbst 2025 wurde Döllner vom Aufsichtsrat für weitere fünf Jahre in seinem Amt bestätigt. Das ist ein klares Signal: Audi setzt auf Kontinuität in der Führung, während das Unternehmen eine schwierige Transformation durchläuft. Döllner selbst formulierte die Lage nüchtern: Audi müsse effizienter, wettbewerbsfähiger und profitabler werden.
Audi schloss das Geschäftsjahr 2025 nach eigenen Angaben solide ab, auch wenn die Marge unter Druck stand. Die Zahlen im Überblick:
| Kennzahl | 2025 | 2024 |
|---|---|---|
| Umsatzerlöse | 65,5 Mrd. Euro | 64,5 Mrd. Euro |
| Operatives Ergebnis | 3,4 Mrd. Euro | 3,9 Mrd. Euro |
| Operative Umsatzrendite | 5,1 Prozent | 6,0 Prozent |
| Netto-Cashflow | 3,4 Mrd. Euro | 3,1 Mrd. Euro |
| Auslieferungen E-Modelle (Audi) | über 223.000 | unter 165.000 |
| Gesamtauslieferungen Markengruppe | ca. 1,64 Mio. | ca. 1,69 Mio. |
Besonders auffällig ist das Wachstum bei den Elektrofahrzeugen: Audi lieferte 2025 rund 36 Prozent mehr vollelektrische Modelle aus als im Vorjahr. Der Audi Q6 e-tron mit rund 84.000 Einheiten und der Audi A6 e-tron mit rund 37.000 Einheiten waren dabei die meistgefragten Elektromodelle.
Die Geschichte von Audi beginnt 1909. August Horch, ein Ingenieur aus Winningen an der Mosel, gründete in Zwickau das Unternehmen, das er nach dem lateinischen Begriff für seinen Nachnamen benannte: Audi bedeutet auf Lateinisch das Gleiche wie Horch auf Deutsch, nämlich lausche oder höre.
1932 entstand durch den Zusammenschluss von Audi, DKW, Horch und Wanderer die Auto Union AG. Die vier ineinandergreifenden Ringe im heutigen Audi-Logo erinnern bis heute an diese vier Gründungsmarken. Nach dem Zweiten Weltkrieg baute das Unternehmen sich am neuen Standort Ingolstadt wieder auf. In den 1960er Jahren übernahm die Volkswagen AG schrittweise die Anteile und wurde zum alleinigen Eigentümer.
Seitdem ist Audi konsequent als Premiummarke des VW-Konzerns positioniert worden. Der quattro-Allradantrieb, der 1980 vorgestellt wurde, begründete den Ruf als Technikpionier. Die Leichtbau-Philosophie mit Aluminiumkarosserien in den 1990er Jahren, der Einstieg in die Elektromobilität mit dem e-tron ab 2018 und nun der Formel-1-Einstieg 2026 markieren weitere Meilensteine.
Einer der bedeutendsten Schritte in der jüngeren Unternehmensgeschichte ist der Einstieg in die Formel-1-Weltmeisterschaft. Audi übernahm das Schweizer Traditionsteam Sauber vollständig und tritt ab der Saison 2026 als Werksteam mit eigenem Motor an. Das Team heißt offiziell Audi Revolut F1 Team, benannt nach dem Fintech-Unternehmen Revolut als Titelpartner.
Am 8. März 2026 startete Audi beim Großen Preis von Australien in Melbourne erstmals in der Formel-1-Geschichte. Die beiden Fahrer sind Nico Hülkenberg aus Deutschland und der brasilianische Nachwuchstalent Gabriel Bortoleto. Teamchef ist nach dem Abgang von Jonathan Wheatley nun Mattia Binotto, der frühere Ferrari-Teamchef.
Die Formel 1 ist für Audi kein reines Marketingprojekt. Das neue Reglement ab 2026 sieht einen elektrischen Anteil von rund 50 Prozent vor, was direkte Synergien mit der Serienentwicklung von Elektrofahrzeugen ermöglicht. Audi setzt die Rennserie gezielt als Technologietreiber ein.
Audi kämpft aktuell auf mehreren Fronten gleichzeitig. Das Unternehmen muss die Elektrifizierung vorantreiben, Kosten senken, die Profitabilität steigern und sich gegen die wachsende chinesische Konkurrenz behaupten. CEO Döllner hat dafür eine klare Richtung vorgegeben: Audi soll bis 2031 zur Benchmark unter den europäischen Premiumherstellern werden.
Für 2026 erwartet der Audi-Konzern Umsatzerlöse zwischen 63 und 68 Milliarden Euro. Neue Modelle wie der Audi Q9 für den US-Markt und der A2 e-tron, der als günstiges Einstiegsmodell in die Elektromobilität im Herbst 2026 kommen soll, sollen die Wachstumsziele unterstützen. In China geht Audi mit einer Schwestermarke ohne die ikonischen vier Ringe eine neue Strategie, um im dortigen Markt mit lokal entwickelten Fahrzeugen relevanter zu werden.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1909 | Gründung durch August Horch in Zwickau |
| 1932 | Fusion zur Auto Union AG mit DKW, Horch und Wanderer |
| 1964-1966 | Volkswagen AG übernimmt schrittweise die Mehrheit der Auto Union |
| 1969 | Fusion von Auto Union und NSU zur Audi NSU Auto Union AG |
| Bis heute | VW AG baut Anteil auf über 99 Prozent aus, Audi bleibt nicht eigenständig börsennotiert |
| September 2023 | Gernot Döllner wird neuer CEO, löst Markus Duesmann ab |
| März 2026 | Erster Formel-1-Start in Melbourne als Werksteam Audi Revolut F1 Team |
Bildquelle: Audi AG / Audi MediaCenter