Wer an einem deutschen Supermarkt vorbeiläuft, begegnet dem REWE-Logo fast täglich. Rund 3.800 Filialen gibt es allein in Deutschland – und trotzdem wissen viele Menschen nicht, wem dieser Konzern eigentlich gehört. Die Antwort ist weniger simpel als bei anderen Unternehmen, denn Rewe ist kein klassisches Unternehmen mit einem Eigentümer oder Aktionären im üblichen Sinne. Dahinter steckt eine Struktur, die in der deutschen Wirtschaft durchaus besonders ist.
Die REWE Group gehört ihren Mitgliedern. Konkret bedeutet das: Selbstständige Kaufleute und regionale Genossenschaften sind die Anteilseigner – nicht etwa ein Milliardär, ein Investmentfonds oder die Börse. Diese Konstruktion geht direkt auf die Gründungsidee zurück.
Im Jahr 1927 schlossen sich in Köln 17 Einkaufsgenossenschaften zusammen, um gemeinsam Lebensmittel einzukaufen und bessere Konditionen zu erzielen. Der damalige Name: „Revisionsverband der Westkaufgenossenschaften“ – kurz REWE. Das genossenschaftliche Prinzip hat sich seitdem nicht geändert, auch wenn der Konzern heute zu den größten Handels- und Touristikgruppen Europas gehört.
Muttergesellschaft des gesamten Konzerns ist die REWE-Zentralfinanz eG (RZF). Diese Holding wird nicht von einer Privatperson oder einem Konzern kontrolliert, sondern von sechs Genossenschaften als Anteilseigner gemeinsam geführt:
Diese Regionalgenossenschaften wiederum setzen sich aus den rund 1.800 selbstständigen REWE-Kaufleuten zusammen, die in Deutschland REWE- und nahkauf-Märkte betreiben. Durch ihre Mitgliedschaft in der jeweiligen Regionalgenossenschaft sind die Kaufleute – direkt oder über gewählte Vertreter – in die Entscheidungsprozesse des Gesamtkonzerns eingebunden.
Das operative Geschäft des deutschen Lebensmittelhandels steuert die REWE Markt GmbH mit Sitz in Köln. Deren Geschäftsführung besteht aktuell aus Daniela Büchel, Christoph Eltze, Peter Maly und Telerik Schischmanow. Die Anteile an dieser Gesellschaft werden ebenfalls von vier Genossenschaften gehalten.
Viele Verbraucher ahnen es nicht: Wenn sie bei Penny einkaufen, im toom Baumarkt stöbern oder eine DER Touristik-Reise buchen, bewegen sie sich im selben Konzern wie beim wöchentlichen Rewe-Einkauf. Die Unternehmensgruppe ist breiter aufgestellt als ihr Supermarktname vermuten lässt.
| Geschäftsfeld | Marken und Unternehmen | Standorte |
|---|---|---|
| Lebensmittelhandel Deutschland | REWE, nahkauf, Penny, REWE To Go, REWE Express | ca. 6.000 Märkte |
| Lebensmittelhandel international | Billa, Bipa, ADEG, Penny (Europa), IKI (Litauen) | ca. 3.500 Märkte |
| Convenience | Lekkerland, Conway | Über 61.000 belieferte Verkaufsstellen |
| Baumarkt | toom Baumarkt, B1 Discount Baumarkt, Klee Gartenfachmärkte | Über 300 Märkte |
| Touristik | DERTOUR Group, ITS, Kuoni, Meiers Weltreisen, Apollo, Aldiana u.v.m. | 16 Länder |
| Produktion | Glockenbrot Bäckerei, Wilhelm Brandenburg (Metzgerei) | Deutschland |
| Online und Sonstiges | ZooRoyal (Heimtierbedarf), rewe.de (Online-Lebensmittel) | Deutschland |
Zum Stichtag 31. Dezember 2024 umfasste die REWE-Zentralfinanz eG neben der Muttergesellschaft insgesamt 527 konsolidierte Tochterunternehmen, davon 177 mit Sitz im Ausland.
Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die REWE Group einen Gesamtaußenumsatz von 96 Milliarden Euro – ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Das Konzernergebnis stieg auf eine Milliarde Euro. Für die Jahre 2024 bis 2028 plant das Unternehmen Investitionen von insgesamt 16 Milliarden Euro in Immobilien, Lagerinfrastruktur, Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist die REWE Group die Nummer zwei hinter Edeka – knapp vor der Schwarz-Gruppe mit Lidl und Kaufland. Auf europäischer Ebene zählt der Konzern zu den zehn größten Lebensmittelhändlern insgesamt.
Die genossenschaftliche Struktur hat handfeste Konsequenzen für die Unternehmensführung. Weil es keine Aktionäre gibt, die kurzfristige Rendite erwarten, kann das Management langfristig planen – ohne auf jedes Störfeuer aus dem Kapitalmarkt reagieren zu müssen. Gleichzeitig haben die Mitglieder, also die Kaufleute, direkten Einfluss auf die Unternehmenspolitik.
Entscheidungen werden nicht von oben nach unten diktiert, sondern in sogenannten Strategischen Ausschuss-Sitzungen auf regionaler und nationaler Ebene zwischen Kaufleuten und Management abgestimmt. Das macht das Unternehmen träger als einen klassischen Konzern – gibt ihm aber auch eine Stabilität, die börsennotierte Konkurrenten selten erreichen.
Wer sich für ähnliche Eigentümerstrukturen interessiert, findet auf branchen-leader.com weitere Analysen – etwa zur Frage wem Edeka gehört oder wem Lidl gehört.
Innerhalb der REWE Group verfolgen die beiden bekanntesten deutschen Marken sehr unterschiedliche Ansätze. Rewe positioniert sich als klassischer Supermarkt mit breitem Sortiment und wachsendem Online-Angebot. Penny hingegen ist ein Discounter, der in Deutschland und fünf weiteren europäischen Ländern aktiv ist und im deutschen Markt als Nummer vier hinter Aldi, Lidl und Netto gilt.
Beide Marken sind vollständig im Besitz der REWE Group. Penny ist seit 1989 Teil des Konzerns. Auch die Frage, wem Penny gehört, lässt sich damit klar beantworten: Penny gehört zur REWE Group.
Das Genossenschaftsmodell von Rewe ist für Unternehmer aus mehreren Gründen interessant. Erstens zeigt es, dass Wachstum und Stabilität nicht zwingend eine Börsennotierung erfordern. Zweitens verdeutlicht die Struktur, wie selbstständige Einzelhändler durch Zusammenschluss Einkaufsmacht und Infrastruktur eines Großkonzerns nutzen können, ohne ihre unternehmerische Eigenständigkeit aufzugeben. Drittens gibt es das genossenschaftliche Prinzip jedem Mitglied eine Stimme – unabhängig von der Größe des eigenen Marktes.
Rewe gehört keiner Einzelperson und ist nicht börsennotiert. Die Muttergesellschaft REWE-Zentralfinanz eG wird von sechs Genossenschaften gehalten, die wiederum aus rund 1.800 selbstständigen Kaufleuten bestehen. Zum Konzern gehören neben REWE und Penny auch toom Baumarkt, die DERTOUR Group mit ITS, Kuoni und anderen Reiseveranstaltern sowie internationale Ketten wie Billa. Im Geschäftsjahr 2024 erzielte die Gruppe einen Umsatz von 96 Milliarden Euro.
Wer sich weiter mit der Struktur des deutschen Lebensmittelhandels beschäftigen möchte, findet auf branchen-leader.com auch einen Überblick über die Edeka-Tochtergesellschaften und weitere verwandte Themen aus der Welt des deutschen Einzelhandels.
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