Wer „Octopus Energy pleite“ googelt, findet viele beunruhigende Treffer. Die gute Nachricht zuerst: Octopus Energy ist nicht insolvent und zeigt keine Anzeichen einer bevorstehenden Zahlungsunfähigkeit. Im Gegenteil: Das britische Energietechnik-Unternehmen ist in Deutschland inzwischen einer der am schnellsten wachsenden Stromanbieter – mit einer Million Kunden, die im Herbst 2025 erreicht wurden. Dieser Artikel erklärt, warum das Gerücht trotzdem kursiert, wie Octopus wirklich aufgestellt ist und was Kunden im Worst-Case wissen sollten.
Octopus Energy wurde 2015 in Großbritannien gegründet und versteht sich nicht als klassischer Stromanbieter, sondern als Energietechnologie-Unternehmen. Das Herzstück ist die selbst entwickelte Cloud-Plattform „Kraken“, die Energiemanagement, Abrechnung und Kundenkommunikation abwickelt und an andere Versorger weltweit lizenziert wird – darunter E.ON und EDF. Im September 2025 wurde Kraken erfolgreich aus der Octopus Energy Group ausgegliedert und agiert seitdem als eigenständiges Unternehmen.
In Deutschland ist Octopus Energy seit November 2020 aktiv, zunächst mit einem kleinen Team aus einem Münchner Co-Working Space. Heute hat das Unternehmen sechs Standorte in Deutschland: München, Berlin, Heidelberg, Köln und seit August 2025 auch Leipzig. Geschäftsführer Bastian Gierull treibt den Expansionskurs konsequent voran.
Das Gerücht ist typisch für den Energiemarkt – und hat mit Octopus wenig zu tun. Zwischen 2021 und 2023 haben in Deutschland und Großbritannien mehr als 30 kleinere Energieversorger Insolvenz angemeldet. Anbieter wie Stromio, Lition oder Gas.de konnten die explodierenden Großhandelspreise nicht mehr an ihre Kunden weitergeben und gingen unter. Kunden, die schlechte Erfahrungen mit solchen Anbietern gemacht hatten, begannen vorsorglic nach „Octopus Energy pleite“ zu suchen.
Hinzu kommt: Octopus hat 2022 den insolventen britischen Anbieter Bulb Energy übernommen und dabei Millionen von Kunden integriert. Manche verwechselten das und dachten, Octopus selbst sei in Schwierigkeiten – dabei zeigte die Übernahme das Gegenteil: Nur ein finanziell gesundes Unternehmen übernimmt gescheiterte Wettbewerber.
Octopus Energy ist kein Billiganbieter auf dünner Kapitaldecke – das Unternehmen hat insgesamt mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar an Wagniskapital eingesammelt. Zu den Großinvestoren zählen der Canada Pension Plan Investment Board (CPP Investments), die vom ehemaligen US-Vizepräsidenten Al Gore mitgegründete Generation Investment Management, der japanische Energieversorger Tokyo Gas und das australische Energieunternehmen Origin Energy. Im Dezember 2023 wurde das Unternehmen im Rahmen einer Finanzierungsrunde von 800 Millionen US-Dollar mit rund 7,8 Milliarden US-Dollar bewertet.
Ja, Octopus Energy schreibt Verluste. Im Geschäftsjahr 2021/22 lag der Fehlbetrag bei rund 141 Millionen Pfund. Das klingt alarmierend, ist aber im Kontext zu sehen: Octopus wächst massiv und investiert gezielt in neue Märkte, Infrastruktur und Technologie. Das ist kein Zeichen von Schwäche, sondern typisches Wachstumskapital-Muster – ähnlich wie Amazon über viele Jahre Verluste schrieb, während das Geschäft explodierte. Für das Geschäftsjahr 2023/24 meldete die Gruppe erstmals einen Nettogewinn.
Als Octopus im November 2020 mit zehn Mitarbeitern in München startete, kannte kaum jemand die Marke. Weniger als fünf Jahre später hat das Unternehmen eine Million Kunden in Deutschland. Das Wachstum war so stark, dass Octopus im Herbst 2025 nach eigenen Angaben alle 43 Sekunden einen neuen Kunden gewann. Ein Grund für dieses Wachstum: Octopus setzt auf 100 Prozent Ökostrom aus erneuerbaren Energien und bietet transparente, faire Tarife – ein Modell, das gerade nach der Energiekrise 2022 viel Zuspruch fand.
Trustpilot bestätigt diese Kundenzufriedenheit: Octopus Energy Deutschland hat dort über 95.000 Bewertungen mit einem Durchschnitt von 4,8 von 5 Sternen. Das ist eine der höchsten Bewertungen unter deutschen Stromanbietern. Kunden loben vor allem die schnelle Reaktionszeit des Kundendienstes und die Transparenz der Abrechnung.
Selbst wenn Octopus Energy – rein hypothetisch – in finanzielle Schwierigkeiten geräte, sind Stromkunden in Deutschland gut geschützt. Die Bundesnetzagentur würde eingreifen und den Grundversorger in der Region als Auffangversorger einsetzen. Dadurch wäre die Stromversorgung nicht unterbrochen. Vorauszahlungen für Strom sind in Deutschland nicht üblich – Kunden zahlen in der Regel monatliche Abschläge für bereits geleistete Lieferungen. Ein Verlustrisiko für Kunden, wie es etwa bei Reiseveranstalter-Insolvenzen entstehen kann, gibt es hier also kaum.
Im Fall einer Insolvenz eines Energieversorgers gilt: Die Lieferverträge laufen weiter, bis ein neuer Versorger gefunden oder der Grundversorger aktiviert wird. Kunden müssen nichts unternehmen und können sich in Ruhe einen neuen Anbieter suchen. Das ist gesetzlich geregelt und hat sich während der Energiekrise 2022 bewährt, als zahlreiche Anbieter tatsächlich pleite gingen.
Tatsächlich gab es im Vorfeld keine konkreten Warnsignale, die auf eine drohende Insolvenz von Octopus Energy hindeuteten. Weder verspätete Zahlungen an Marktpartner noch behördliche Mahnungen wurden bekannt. Im Gegenteil: Octopus expandierte weiterhin und übernahm Kunden anderer Anbieter, was eher auf Stärke als auf Schwäche schließen lässt. Die Aufsichtsbehörden und Branchenanalysten äußerten keine Warnungen spezifisch zu Octopus, sodass sich kein Hinweis auf akute finanzielle Schwierigkeiten ergab.
Eine Insolvenzanmeldung ist für ein Unternehmen in einer solchen Lage höchst unwahrscheinlich. Weder die Bilanzen noch die öffentlichen Ankündigungen oder Analystenberichte lassen Hinweise auf eine finanzielle Schieflage erkennen. Der vergleichsweise niedrige Nettogewinn im Verhältnis zum Umsatz zeigt zwar, dass das Unternehmen hohe Kosten auf sich nimmt, um seine Kunden zu entlasten und neue Märkte zu erschließen – aber bisher ging diese Rechnung für Octopus auf: Es blieb trotz gezielter Expansionsausgaben profitabel.
Die klare Antwort lautet: Nein, Octopus Energy ist nicht pleite. Im Gegenteil – das Unternehmen befindet sich nach aktuellen Informationen in einer soliden finanziellen Verfassung. Es konnte mehrfach erfolgreich Kapital einsammeln, beschäftigt ein starkes Team und hat ein Geschäftsmodell etabliert, das sowohl auf Kundenzufriedenheit als auch auf Wachstum in erneuerbaren Energien setzt:
In einer Zeit, in der Energieversorger oft unter die Lupe genommen werden, ist es verständlich, dass Fragen zur Zahlungsfähigkeit und Zukunftssicherheit gestellt werden. Doch Octopus Energy ist kein wackeliger Billiganbieter, sondern ein kapitalstarkes Wachstumsunternehmen mit globaler Präsenz und einer klar profitablen Technologiesparte. Für Kunden in Deutschland bedeutet das: Octopus Energy ist ein zuverlässiger Partner – und selbst im unwahrscheinlichen Krisenfall sind sie durch das deutsche Energierecht gut abgesichert.
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