Joel Burghardt: Entwickler, die heute nur coden können, sind in drei Jahren outdated

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  • vor 18 Stunden
  • Letztes Update: Mai 2026

Verfasst von Redaktion (blR)

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Joel Burghardt baut täglich KI-Systeme für eine Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen. Im Gespräch erklärt er, warum die Rolle des klassischen Softwareentwicklers gerade still und leise verschwindet und was Unternehmen jetzt tun müssen.

Wer Joel Burghardt fragt, wie es der klassischen Softwareentwicklung geht, bekommt eine direkte Antwort.

Der Entwickler, der seinen Wert daraus zieht, schnell Code zu schreiben, hat ein Problem. Nicht in drei Jahren. Jetzt.

Joel Burghardt ist Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures und arbeitet heute als KI-Verantwortlicher für eine Unternehmensgruppe mit 80 Beteiligungen und 250 Mitarbeitern. Er baut dort interne Tools, Automatisierungen und Systeme, die früher klassische Entwicklungsprojekte gewesen wären. Sein Alltag ist kein theoretisches Experiment. Es ist operative Realität.

Und genau deshalb nimmt er kein Blatt vor den Mund.

Vom Coder zum Architekten

„Ich erlebe es täglich“, sagt Joel Burghardt. „Der entscheidende Faktor ist nicht mehr, wer den saubersten Code schreibt. Es ist, wer ein Problem so klar beschreiben kann, dass eine KI es löst.“

Das klingt nach einer kleinen Verschiebung. Es ist keine.

Wer heute in einem seiner Teams arbeitet, merkt schnell, dass die Fähigkeit, Anforderungen sauber zu strukturieren und Systeme zu denken, mehr zählt als das Schreiben von Funktionen. „Das ist schwerer zu lernen als Code“, sagt Joel Burghardt. „Aber wer es lernt, ist in dieser neuen Welt wertvoller als jemand, der blind Code produziert.“

Auf LinkedIn hat er dieses Thema mehrfach angesprochen. Die Reaktionen: gespalten. Viel Zustimmung, aber auch Widerstand, vor allem von Entwicklern, die ihre bisherige Arbeitsweise verteidigen.

„Ich verstehe das“, sagt er. „Ich war selbst Entwickler. Ich weiß, wie viel Arbeit dahintersteckt. Aber ich sage es lieber jetzt als in zwei Jahren, wenn der Druck noch größer ist.“

Prototyp in zehn Minuten

Ein konkretes Beispiel dafür, wie sich Entwicklung verändert, ist asps.ai, ein System aus Joels eigenem Portfolio. Ein Kunde beschreibt seine Idee, egal ob als Text, Skizze oder Screenshot. Das System stellt strukturierte Rückfragen, generiert ein Lastenheft und baut daraus einen klickbaren Prototypen. In zehn Minuten.

„Dann gibt der Kunde direkt im Prototypen Feedback. Neue Version in fünf Minuten. Danach geht es in die Entwicklung, auf einer vollständig validierten Basis.“

Was das bedeutet, ist für jeden greifbar, der schon einmal in einem klassischen Softwareprojekt gearbeitet hat. Wochenlange Abstimmungsrunden, Missverständnisse zwischen Kunde und Entwicklungsteam, nachträgliche Änderungswünsche kurz vor dem Launch. „Das entfällt komplett“, sagt Joel Burghardt. „Projekte, die früher vier Wochen Vorbereitung gebraucht haben, laufen heute in wenigen Tagen an.“

Was Unternehmen jetzt falsch machen

Joel Burghardt ist nicht nur kritisch gegenüber Entwicklern. Er richtet denselben Blick auf Unternehmen.

„Ich sehe Firmen, die suchen nach einem Entwickler mit fünf Jahren React-Erfahrung. Das ist das falsche Suchprofil. Die Frage ist heute nicht mehr: Kann diese Person Code schreiben? Die Frage ist: Kann diese Person ein System entwerfen, eine KI steuern und das Ergebnis verantworten?“

Gleichzeitig beobachtet er, dass viele Unternehmen noch auf externe Software-Tools setzen, die nur einen Teil ihrer Anforderungen abdecken. „Ich habe Kunden, die zahlen monatlich für fünf Tools, die sich schlecht integrieren und trotzdem Lücken lassen. Das summiert sich auf 500, 600 Euro im Monat. Für Lösungen, die halb passen.“

Seine Empfehlung ist klar. „Nehmt einen Prozess, der heute zu viel Zeit kostet. Fragt euch, was dort wirklich passiert und welche Schritte sich wiederholen. Dann baut eine Lösung. Nicht kaufen. Bauen. Wer das einmal gemacht hat, denkt danach anders.“

Der Wandel ist nicht irgendwann

Joel Burghardt schließt das Gespräch mit einem Satz, der wenig Interpretationsspielraum lässt.

„Die Entwickler, die heute anfangen, Systemdenken als ihre Kernkompetenz zu betrachten, werden in drei Jahren die gefragtesten sein. Nicht weil sie am meisten coden können. Sondern weil sie Maschinen so einsetzen können, dass am Ende etwas Funktionierendes entsteht. Der Rest wird es schwer haben.“

Zur Person: Joel Burghardt ist Gründer von Lightweb Media und DRIVE Ventures. Mit asps.ai hat er ein System entwickelt, das Softwareentwicklung von Grund auf neu denkt. Unternehmen setzen auf ihn, wenn KI nicht nur diskutiert, sondern umgesetzt werden soll.

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