Die Nachricht sorgte für Verunsicherung bei Millionen Verbrauchern: Ist die supermarkt kette Edeka insolvent? Die kurze Antwort lautet Nein. Von der insolvenz betroffen ist ausschließlich der edeka händler Feneberg, ein familienunternehmen aus dem Allgäu, das seit Jahrzehnten ein eigenes filialnetz betreibt. Was genau passiert ist, welche Hintergründe die krise hat und wie es für mitarbeiter, kunden und standorte weitergeht, ordnet dieser Artikel ein.

Edeka ist ein föderaler verbund aus regionalen Gesellschaften und selbstständigen Kaufleuten. Das unternehmen betreibt über 11.000 standorte in deutschlands Lebensmittelhandel und ist damit die größte supermarkt kette des Landes. Eine insolvenz der gesamten Edeka-Gruppe gilt als sehr unwahrscheinlich.
Was tatsächlich passiert ist: Die feneberg lebensmittel gmbh, einer der größten selbstständigen edeka händler in Süddeutschland, hat am 9. Januar 2026 beim amtsgericht kempten einen antrag auf ein schutzschirmverfahren gestellt. Im Insolvenzfall wird ein Insolvenzantrag bei zahlungsunfähigkeit oder drohender zahlungsunfähigkeit gestellt, und genau das geschah hier als insolvenz vorstufe. Feneberg beantragte am 9. Januar 2026 insolvenz in eigenverwaltung. Am 1. April 2026 wurde das insolvenzverfahren dann formell eröffnet.
Die Dimension ist beachtlich: Feneberg Lebensmittel GmbH hat 75 filialen in Deutschland, verteilt auf bayern und Baden-Württemberg. Feneberg betreibt über 70 filialen in Süddeutschland, beschäftigt rund 3.000 mitarbeiter und erzielt einen jahresumsatz von über 500 Millionen Euro.
Entscheidend ist die Rolle von edeka feneberg im Gesamtsystem: Feneberg ist ein selbstständiger händler im Edeka-Verbund mit eigenem Namen, eigenem Logo und eigener geschäftsführung. Es handelt sich weder um ein Tochterunternehmen von Edeka Rhein-Ruhr noch um eine Filiale von Marktkauf oder trinkgut. Die Entscheidungen über das filialnetz, Marketing und sortiments werden weitgehend autonom getroffen.
Klarstellung: Edeka insgesamt ist nicht insolvent. Die insolvenz eines einzelnen Marktes bzw. händler bedeutet nicht die insolvenz des gesamten Edeka-Verbunds. Die insolvenz eines einzelnen edeka händler hat meist nur regionale Auswirkungen. Andere Edeka-Kaufleute, die Edeka-Zentrale und sämtliche weiteren filialgruppen sind von Fenebergs lage nicht betroffen.
Warum ist der größte selbstständige Edeka-Händler deutschlands in die krise geraten? Die schwierigkeiten des allgäuer familienbetriebes lassen sich nicht auf einen einzelnen grund zurückführen. Es handelt sich um ein Bündel langjährig gewachsener Probleme.
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Ursache |
Details |
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Strukturelle Probleme im filialnetz |
Zahlreiche filialen im Allgäu und Schwaben gelten als unrentabel. Die geographische Verteilung verursacht hohe Logistikkosten. |
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Hohe Schuldenlast und pensionsverpflichtungen |
Die pensionsverpflichtungen betragen nahezu 100 Millionen Euro. Insgesamt belaufen sich die Verbindlichkeiten auf etwa 200 Millionen Euro. |
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tochtergesellschaft allgäu fresh foods |
Diese Tochter für Fleischproduktion musste bereits 2025 ein eigenes verfahren durchlaufen. Die Entlastung reichte nicht aus. |
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Gestiegene Kosten & Sparverhalten |
Energie, Personal und Inflation erhöhten die Ausgaben. Kunden reagierten mit Sparverhalten in supermärkten. |
Die Unsicherheit für Kunden in Regionen wie Allgäu und Bodensee aufgrund der insolvenz ist nachvollziehbar. Das ziel eines schutzschirmverfahrens ist jedoch vor allem die sanierung des unternehmens, nicht seine Zerschlagung. Ein schutzschirmverfahren erlaubt der geschäftsführung, weiterhin im Amt zu bleiben, was bei Feneberg durch die geschäftsleitung um Amelie und Christof Feneberg gewährleistet ist.

Als sanierungsgeschäftsführer wurde stephan leibold eingesetzt, ein erfahrener sanierungsexperte. Der fachanwalt martin hörmann von der kanzlei grub brugger fungiert als sachwalter unter aufsicht des gericht. Darüber hinaus wurde ein Gläubigerausschuss etabliert. Auch jochen sedlitz ist als Berater involviert, um die Interessen aller Seiten zu koordinieren.
Edeka als partner hatte die firma Feneberg bereits zuvor mit einem Nachrangdarlehen im niedrigen zweistelligen Millionenbereich unterstützt. Trotz dieser Hilfe wurde ein gerichtliches Sanierungsverfahren nach sanierungsrecht unvermeidlich. Das vermögen des familienbetriebes reichte schlicht nicht aus, um die Altlasten ohne Restrukturierung zu bewältigen.
Laut mitteilung des Unternehmens lauten die Ziele klar: wirtschaftliche und strukturelle Neuaufstellung, sanierung statt Zerschlagung, und vor allem Erhalt möglichst vieler arbeitsplätze und filialen. Dabei ist der betrieb aller Märkte zunächst gesichert.
Wichtig für Verbraucher außerhalb der Region: Diese Probleme gelten spezifisch für Feneberg. Sie sind nicht auf den gesamten edeka verbund übertragbar und haben keine direkte Auswirkung auf Märkte in NRW oder anderen Bundesländern. Die lage anderer Edeka-Kaufleute ist davon unabhängig.
Trotz insolvenzverfahren läuft der geschäftsbetrieb der Feneberg-Märkte weiter. Einzelne Märkte können während des Insolvenzverfahrens weiterhin geöffnet bleiben, und genau das ist hier der Fall. Alle filialen und tankstellen sind nach angaben der geschäftsleitung in betrieb. Die Versorgung mit Waren ist durch lieferanten und Produzenten gesichert.
Rund 3.000 mitarbeiter sind von der insolvenz betroffen. Für sie gibt es zunächst eine wichtige Absicherung: Insolvenzgeld sichert ausstehende Löhne für einen gesetzlich geregelten Zeitraum. Konkret ersetzt Insolvenzgeld den Nettolohn in den letzten drei Monaten vor insolvenz. Die jobs sind damit kurzfristig abgesichert. Bei einer späteren Betriebsübernahme werden Arbeitsverhältnisse oft fortgeführt, was zusätzliche hoffnung gibt.
Nach neuen Betreibern oder investoren wird während des eigenverwaltungsverfahrens aktiv gesucht. Es gibt interesse von mehreren Seiten:
Die rewe Group (mit etwa 3.800 Märkten in Deutschland, wobei edeka einen höheren Marktanteil als rewe hat) zeigt interesse an der übernahme eines großteil der filialen.
Die LEH Allgäu GmbH möchte Teile des filialnetzes unter der Marke Feneberg und mit dem regionalen Programm „VonHier®“ weiterführen.
Kartellrechtliche Prüfungen stehen noch aus, weshalb eher eine geteilte Lösung mit mehreren Käufern erwartet wird.
Die Zeitschiene sieht vor, dass innerhalb von vier bis sechs Wochen nach Verfahrenseröffnung eine Lösung präsentiert werden soll. Der sanierungsplan soll bis zur Jahresmitte 2026 stehen, ein Beschluss ist für den 10. Juni 2026 terminiert.

Kurzfristig: Einkauf ist in allen Märkten normal möglich. Sortiment und steuer-relevante Belege bleiben unverändert.
Mittelfristig: Feneberg soll möglichst als Rechtsträger erhalten bleiben (imago und Marke), um Miet- und Pachtverträge der rund 70 filialen nicht neu verhandeln zu müssen.
Langfristig: Filialschließungen von Feneberg sind aufgrund der insolvenz möglich. Lücken in der Nahversorgung können in ländlichen Regionen entstehen. Ein Wechsel der Marke oder des Betreibers an einzelnen standorten ist nicht ausgeschlossen. Vor allem in weniger dicht besiedelten Gebieten könnten sich art und Umfang des Angebots verändern.
Die kommenden Wochen werden über die Zukunft dieses traditionsreichen allgäuer familienunternehmen entscheiden. Ob Feneberg als eigenständige Marke weiterlebt, in anderen Strukturen aufgeht oder einzelne standorte verliert, das hängt vom Erfolg des sanierungsplan und den Verhandlungen mit investoren ab. Klar ist nur eines: Die gesamte edeka Gruppe steht stabil. Wer in einer Feneberg-Region einkauft, sollte die Entwicklungen aufmerksam verfolgen, kann aber vorerst wie gewohnt seinen Wocheneinkauf erledigen, ein foto der leeren Regale dürfte vorerst nicht nötig sein.
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