Apotal ist nicht pleite. Das steht fest. Aber die Versandapotheke aus Bad Rothenfelde steckt seit Jahren in einer Dauerkrise aus Lieferverzögerungen, kaum erreichbarem Kundenservice und falschen Lieferungen – und das Umfeld wird nicht einfacher. Dieser Artikel bringt den aktuellen Stand auf März 2026 und erklärt, was dahintersteckt.
Apotal ist eine der bekanntesten deutschen Versandapotheken und gehört formal zur Bad-Apotheke in Bad Rothenfelde, Niedersachsen. Inhaber ist Henning Fichter. Das Versand- und Diabetesgeschäft wurde bereits 2020 für rund 75 Millionen Euro an die Schweizer Zur Rose-Gruppe verkauft – den Mutterkonzern von DocMorris. Seitdem betreibt DocMorris Apotal als eine von mehreren Versandapotheken-Marken neben Medpex und der eigenen DocMorris-Plattform.
Formal bestellen Kunden weiterhin bei der Bad-Apotheke – die Logistik läuft jedoch über das DocMorris-Zentrallager im niederländischen Heerlen. Genau hier liegt eine der Hauptursachen für die anhaltenden Probleme.
Ein Blick in die offiziellen Insolvenzbekanntmachungen und das Handelsregister zeigt: Weder Apotal noch die Bad-Apotheke noch DocMorris haben einen Insolvenzantrag gestellt. Das Gerücht, Apotal sei pleite, hält sich hartnäckig – es ist aber falsch. Was stimmt: Das Unternehmen hat seit Ende 2022 massive Serviceprobleme, die bis heute anhalten.
– Lieferzeiten von 7 bis 14 Tagen statt angekündigter 1-2 Tage
– Hotline kaum erreichbar, teils über 30 Minuten Wartezeit
– Falsche Waren geliefert, Reklamationen ignoriert
– Als „vorrätig“ angezeigte Artikel kommen nicht an
– Bestellungen storniert ohne Benachrichtigung, Geld bereits eingezogen
– Einige Stammkunden berichten: ohne E-Rezept funktioniert es meist noch zuverlässig
Die Apothekerkammer Niedersachsen prüft die Beschwerden seit 2022. Die Verbraucherzentrale Brandenburg klagte Anfang 2025 wegen unzulässiger AGB-Klauseln, die das gesetzliche Widerrufsrecht einschränken. Das zeigt: Es ist nicht nur ein Imageproblem, sondern ein rechtlich relevantes Dauerthema.
Die Ursachen sind eine Kombination aus strukturellen Entscheidungen im DocMorris-Konzern und einem schwierigen Marktumfeld:
| Ursache | Erklärung |
|---|---|
| Zentralisierung in Heerlen | DocMorris bündelt die Logistik für alle Marken am Standort in den Niederlanden. Anlaufschwierigkeiten und Kapazitätsengpässe treffen direkt Apotal-Kunden. |
| Sparmaßnahmen im Konzern | DocMorris schreibt operativ Verluste und peilt den Break-even für 2026 an. Investitionen in Personal und Service wurden zurückgefahren. |
| Wachstumsdruck durch E-Rezept | Seit Frühling 2024 boomt das E-Rezept. Die Logistikkapazitäten wurden nicht schnell genug angepasst, Bestellvolumen stiegen abrupt. |
| Kommunikationsdefizit | Apotal reagiert kaum auf öffentliche Kritik. Inhaber Henning Fichter hat sich nie ausführlich geäußert. Das verstärkt Unsicherheit und Gerüchte. |
| Marktdruck durch Redcare | Redcare (ehemals Shop Apotheke) wächst aggressiv. Kunden, die bei Apotal schlechte Erfahrungen machen, wechseln zur Konkurrenz und kommen nicht zurück. |
DocMorris ist der Mutterkonzern von Apotal, Medpex und der eigenen DocMorris-Plattform. Zusammen kamen diese Marken 2025 auf einen Umsatz von rund 1,1 Milliarden Euro – wobei der verschreibungspflichtige Anteil (Rx) bei 252 Millionen Euro lag.
Das klingt solide, aber der direkte Vergleich mit dem Marktführer zeigt das Problem: Redcare (Shop Apotheke) erzielte 2025 allein in Deutschland 1,6 Milliarden Euro Umsatz – mit einem Rx-Anteil von 503 Millionen Euro, fast das Doppelte von DocMorris. Das E-Rezept, das seit Frühling 2024 per Smartphone eingelöst werden kann, hat Redcare beflügelt und DocMorris hinterherhinken lassen. Im ersten Halbjahr 2025 wuchs Redcares Rx-Umsatz um 155 Prozent, DocMorris nur um 43,5 Prozent.
DocMorris hat reagiert: Die Strategie setzt nun auf ein integriertes Gesundheits-Ökosystem mit Online-Apotheke, Telemedizin über TeleClinic und weiteren digitalen Diensten. Eine Wandelanleihe über 45 Millionen Schweizer Franken zur Refinanzierung wurde 2025 platziert. Der EBITDA-Break-even soll im Laufe des Jahres 2026 erreicht werden.
Apotal profitiert von dieser Strategie bisher kaum. Die Marke ist im DocMorris-Konzern ein Nebenprodukt – kein strategisches Zugpferd. Das zeigt sich in den anhaltend schlechten Bewertungen, die DocMorris im eigenen Hauptmarkt Deutschland Schaden zufügen. Mehr zu ähnlichen Fällen von Online-Händlern in der Krise ohne Insolvenz gibt es in unserem Artikel zu Mister Spex – dort lief eine vergleichbare Transformation.
Keine dringenden Medikamente bestellen: Wer auf pünktliche Lieferung angewiesen ist, sollte Apotal aktuell meiden. Die durchschnittliche Lieferzeit überschreitet laut aktuellen Bewertungen regelmäßig die angekündigten Zeiten.
Zahlungsart wählen: PayPal oder Kauf auf Rechnung bieten mehr Schutz als Vorkasse per Überweisung. Bei PayPal kann im Streitfall ein Käuferschutz greifen.
Schriftlich dokumentieren: Bestellbestätigungen, Zahlungsbelege und Korrespondenz aufbewahren. Bei ausbleibender Lieferung eine schriftliche Fristsetzung per E-Mail senden.
Alternativen prüfen: Redcare, DocMorris direkt, apo.com oder Aponeo werden in aktuellen Kundenbewertungen deutlich besser eingestuft als Apotal.
Falls sich ein Kunde fragt, ob eine stationäre Apotheke nicht die bessere Wahl wäre – gerade bei komplexen Bedürfnissen lohnt sich das. Was lokale Apotheken leisten können, erklärt unser Artikel über individuelle Gesundheitsversorgung aus einer Hand.
| Anbieter | Umsatz 2025 (DE) | Rx-Umsatz 2025 | Bewertung |
|---|---|---|---|
| Redcare (Shop Apotheke) | ~1,6 Mrd. Euro | 503 Mio. Euro (+98%) | Marktführer, stark wachsend |
| DocMorris-Gruppe (inkl. Apotal, Medpex) | ~1,1 Mrd. Euro | 252 Mio. Euro | Nr. 2, noch verlustreich |
| apo.com-Gruppe | 335 Mio. Euro | k.A. | Nr. 3, stabil |
| Apotal (Teil von DocMorris) | Teil der 1,1 Mrd. | Nicht separat ausgewiesen | Viele Negativbewertungen |
Rossmann plant laut Medienberichten ebenfalls den Einstieg in den Online-Apothekenmarkt, was den Wettbewerbsdruck 2026 weiter erhöhen wird. Apotal hat in diesem Umfeld kaum Spielraum für weitere Servicefehler.
Apotal ist nicht insolvent und wird es nach aktuellem Stand auch nicht kurzfristig werden. Der Mutterkonzern DocMorris hat genug Substanz, um die Marke zu stützen. Aber die Frage ist nicht mehr nur, ob Apotal pleite geht – sondern ob das Unternehmen seinen anhaltenden Kundenschwund stoppen kann.
Wer günstige Preise sucht und nicht auf schnelle Lieferung angewiesen ist, kann bei Apotal bestellen. Wer zuverlässige Lieferung braucht, sollte die Alternativen prüfen. Die Lage der Versandapotheke ist ein gutes Beispiel dafür, wie wichtig solide Unternehmensführung und klare Kostenstruktur sind – ein Thema, das wir auch in unserem Ratgeber zu Kostenkontrolle für Unternehmen beleuchten.