dm ist Europas größter Drogeriemarkt. Wer hinter dem Konzern steckt, ist weniger bekannt als der Markenname selbst. Denn dm ist weder börsennotiert noch gehört es einem großen Konzern. Das Unternehmen ist bis heute in Familienhand geblieben, kombiniert mit einer gemeinnützigen Stiftungsstruktur, die der Gründer Götz Werner noch zu Lebzeiten aufgebaut hat.
dm-drogerie markt GmbH & Co. KG ist ein privates Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe. Es gibt keine Börsennotierung und keine öffentliche Anteilsstruktur. Was bekannt ist: Das Unternehmen gehört im Wesentlichen zwei Parteien: der Familie Werner über die dm-Werner-Stiftung sowie dem Sohn von Mitgründer Günther Lehmann, der die Anteile seines Vaters 2016 übertragen bekommen hat.
| Eigentümer | Struktur | Hinweis |
|---|---|---|
| dm-Werner-Stiftung | Gemeinnützige Stiftung | Gründer Götz Werner übertrug 2010 seine Anteile |
| Sohn von Günther Lehmann | Privatperson | Erbe des Mitgründers, Übertragung 2016 |
| Börsennotierung | Keine | Vollständig privat, keine externen Investoren |
| Geschäftsführung | Christoph Werner | Sohn des Gründers, seit 2019 an der Spitze |
Die genauen Anteilsverhältnisse sind nicht öffentlich bekannt, da dm als GmbH & Co. KG nicht zur Veröffentlichung verpflichtet ist. Fest steht: Kein externer Investor, kein Konzern und kein Fonds hat Einfluss auf das Unternehmen. dm ist und bleibt in Familienhand.
Götz Wolfgang Werner wurde 1944 in Heidelberg als Sohn eines Drogisten geboren. Nach einer Drogistenlehre und ersten Berufsjahren in verschiedenen Handelsunternehmen versuchte er vergeblich, seinen damaligen Arbeitgeber von einer Selbstbedienungsdrogerie zu überzeugen. Als die Idee abgelehnt wurde, machte er sich selbständig. 1973 eröffnete er in Karlsruhe den ersten dm-Drogeriemarkt. Der Name dm steht schlicht für Drogeriemarkt.
Nach dem Erfolg der ersten Filialen fehlte Werner das Kapital für weitere Expansion. Im November 1974 stieg Günther Lehmann als Mitgesellschafter ein, Sohn der Inhaberfamilie des Karlsruher Lebensmittelfilialisten Pfannkuch. Damit war die Grundstruktur gelegt, die dm über Jahrzehnte geprägt hat: zwei Gesellschafter, keine Banken, kein Börsengang.
Im August 2010 gab Götz Werner bekannt, seine Unternehmensanteile in die gemeinnützige dm-Werner-Stiftung eingebracht zu haben. Satzungszweck ist die Förderung wissenschaftlicher Initiativen sowie sozialer und kultureller Projekte. Werner war zeitlebens ein leidenschaftlicher Verfechter des bedingungslosen Grundeinkommens und sah die Stiftung als logische Konsequenz seiner Überzeugungen: Eigentum verpflichtet, und wer Erfolg hat, gibt zurück.
Werner starb am 8. Februar 2022 im Alter von 78 Jahren. Sein Sohn Christoph Werner, der seit 2011 in der Geschäftsführung aktiv war, übernahm 2019 den Vorsitz. Christoph Werner führt das Unternehmen in der Tradition seines Vaters weiter und setzt gleichzeitig auf Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
dm setzt seit Gündung auf eine ungewöhnliche Unternehmenskultur: flache Hierarchien, große Entscheidungsspielräume für Mitarbeiter und das Primat der Menschlichkeit über kurzfristige Gewinnmaximierung. Die Filialen legen selbst ihr Sortiment fest, erstellen eigene Dienstpläne und wirken bei Gehältern mit. Das ist im deutschen Einzelhandel außergewöhnlich.
Auch das Sortiment unterscheidet dm von anderen: Eigenmarken wie Balea (Körperpflege seit 1995) und Denkmit (Reinigungsmittel seit 1990) sind heute feste Größen im deutschen Drogeriemarkt. Wer sich für ähnliche Eigentümermodelle interessiert, findet auf branchen-leader.com Artikel zu wem Rewe gehört sowie zu wem Rolex gehört.
dm und Rossmann sind die beiden dominierenden Drogeriemarktketten in Deutschland. Auch Rossmann ist ein privates Familienunternehmen, das von Dirk Roßmann gegründet wurde und weiterhin in Familienhand ist. Beide Konzerne sind nicht börsennotiert, was ihnen strategische Unabhängigkeit sichert. dm ist nach Umsatz die größere Kette in Deutschland, Rossmann punktet mit einer höheren Filialzahl.
Das dm-Modell zeigt, dass nachhaltige Unternehmensführung und Stiftungsstrukturen kein Widerspruch zum wirtschaftlichen Erfolg sind. Götz Werner hat ein Unternehmen aufgebaut, das seinen Werten treu geblieben ist, obwohl es zum Marktführer gewachsen ist. Die Kombination aus familiärer Kontinuität und stiftungsbasierter Absicherung ist ein Modell, das auch für andere Familienunternehmer lehrreich ist. Ein ähnliches Stiftungsmodell wie bei dm hat übrigens auch Rolex gewählt.
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