Der Technologiekonzern Bosch steht vor dem größten Stellenabbau seiner Geschichte. Bis zum Jahr 2030 sollen in Deutschland insgesamt rund 22.000 Arbeitsplätze im Mobilitätsbereich wegfallen. Was steckt dahinter, welche Werke sind betroffen und wie reagiert der Betriebsrat?
Bosch ist der weltgrößte Automobilzulieferer und erwirtschaftet rund zwei Drittel seines Umsatzes im Mobilitätsbereich. Genau dieser Bereich steckt tief in der Krise. Die wichtigsten Gründe:
| Grund | Erklärung |
|---|---|
| Langsame Elektromobilität | Der Hochlauf von Elektroautos verläuft deutlich langsamer als prognostiziert. Bosch hat stark in klassische Einspritztechnologie investiert, die an Bedeutung verliert. |
| Chinesische Konkurrenz | Chinesische Zulieferer bieten Schlüsseltechnologien zu deutlich günstigeren Preisen an. Das macht Preiserhöhungen am Markt kaum noch möglich. |
| Stagnation im Automarkt | Der globale Fahrzeugmarkt wächst kaum. Weniger Autos bedeuten weniger Bedarf an Zulieferteilen. |
| Wasserstoff-Fehlkalkulation | Bosch investierte Milliarden in Brennstoffzellen-Technologie. Die erwartete Marktnachfrage blieb bislang aus. |
| Renditedruck | Die Rendite lag 2024 nur bei 3,8 % – weit unter dem Zielwert von 7 %. Als Stiftungsunternehmen braucht Bosch höhere Gewinne für seine finanzielle Unabhängigkeit. |
Der Abbau trifft vor allem den Großraum Stuttgart sowie weitere deutsche Standorte der Mobilitätssparte:
| Standort | Betroffene Stellen | Frist |
|---|---|---|
| Stuttgart-Feuerbach | ca. 3.500 | bis 2030 |
| Schwieberdingen | ca. 1.750 | bis 2030 |
| Bühl / Bühlertal | ca. 1.550 | bis 2030 |
| Homburg | ca. 1.250 | bis 2030 |
| Waiblingen | ca. 560 | bis 2028 (Werk schließt) |
| Reutlingen | bis zu 1.100 | bis 2029 |
| Hildesheim | ca. 750 | bis 2032 |
Bosch betonte, den Abbau möglichst sozialverträglich gestalten zu wollen. Maßnahmen sind unter anderem freiwillige Abfindungen, Vorruhestand und Altersteilzeit sowie interne Versetzungen auf andere Stellen. 2025 zahlte Bosch bereits rund 900 Millionen Euro an scheidende Mitarbeiter aus. Für den gesamten Umbau hat der Konzern Rückstellungen von 2,7 Milliarden Euro gebildet.
Der Widerstand ist groß. Gesamtbetriebsratsvorsitzender Frank Sell kündigte an, den Stellenabbau in dieser „historischen Größenordnung“ nicht zu akzeptieren: „Wir können und werden den Personalabbau in dieser Höhe nicht akzeptieren.“ Im Dezember 2025 versammelten sich Hunderte Beschäftigte in einer symbolischen „Zukunftsschicht“ vor dem Werk Feuerbach. Trotz des Drucks hat Bosch nach eigenen Angaben mit den Arbeitnehmervertretern an fast allen betroffenen Standorten Einigungen erzielt.
Bosch-Chef Stefan Hartung stellte klar: „Der größte Weg liegt noch vor uns.“ Das Unternehmen will sich künftig stärker auf profitable Geschäftsfelder konzentrieren und unrentable Bereiche abstoßen. Trotz allem bekannte sich Hartung zum Standort Deutschland: 30 Prozent der Investitionen im vergangenen Jahr flossen in deutsche Standorte. Bosch gilt mit rund 129.600 Mitarbeitenden weiterhin als einer der größten Arbeitgeber Deutschlands.
Mehr über die Hintergründe des Wandels in der Automobilindustrie und betroffene Konzerne findest du auf branchen-leader.com, zum Beispiel in unserem Artikel Zu wem gehört Opel? oder Was passiert bei einer Insolvenz?
Bildquelle: https://unsplash.com/de/fotos/bosch-logo-auf-einem-grun-weissen-fahrzeug-1HoEz-uvB4A