Kaufland ist aus dem deutschen Einzelhandel nicht wegzudenken: Mit über 770 Filialen allein in Deutschland gehört das SB-Warenhaus zu den größten Lebensmittelhändlern des Landes. Doch wem gehört Kaufland eigentlich? Die Antwort ist eng mit dem Namen Dieter Schwarz und seiner Schwarz-Gruppe verknüpft.
Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm (Baden-Württemberg). Diese Unternehmensgruppe ist vollständig in Privatbesitz und wird nicht an der Börse gehandelt. Es gibt keine externen Aktionäre, keinen Streubesitz und keine Beteiligung institutioneller Investoren. Sämtliche Anteile an Kaufland werden über die Schwarz Beteiligungs-GmbH gehalten, die wiederum unter dem Dach der Dieter Schwarz Stiftung gGmbH steht.
Hinter dieser Stiftungskonstruktion steht Dieter Schwarz, Sohn des Unternehmensgründers Josef Schwarz. Er gilt als faktischer Alleinherrüscher der Schwarz-Gruppe, auch wenn er sich seit 2004 aus dem operativen Tagesgeschäft zurückgezogen hat. Seit Dezember 2021 leitet Gerd Chrzanowski als Komplementar die Schwarz Unternehmenstreuhand KG und damit die gesamte Gruppe operativ.
Kaufland und Lidl sind beide Tochterunternehmen der Schwarz-Gruppe, agieren aber als eigenständige Marken mit völlig unterschiedlichen Konzepten. Während Lidl als Discounter auf ein schlankes Sortiment und niedrige Preise setzt, positioniert sich Kaufland als Vollsortimenter mit einem breiten Warenangebot von rund 30.000 Produkten. Kaufland-Märkte sind deutlich größer als typische Lidl-Filialen und bieten neben Lebensmitteln auch Haushaltswaren, Elektronik und Non-Food-Artikel.
| Merkmal | Kaufland | Lidl |
|---|---|---|
| Konzept | Vollsortimenter / SB-Warenhaus | Discounter |
| Sortiment | rund 30.000 Artikel | ca. 2.000 Artikel |
| Fläche | große Verbrauchermarkt-Fläche | kleinere Filialfläche |
| Filialen weltweit | über 1.500 | über 12.000 |
| Eigentümer | Schwarz-Gruppe | Schwarz-Gruppe |
Die Wurzeln der Schwarz-Gruppe reichen bis ins Jahr 1930 zurück, als Josef Schwarz in Neckarsulm als Komplementar in das Unternehmen Lidl & Co. eintrat. Sein Sohn Dieter Schwarz übernahm 1977 nach dem Tod seines Vaters die Unternehmensführung. Bereits in den 1960er Jahren betrieb die Familie Schwarz unter dem Namen Handelshof große Supermarktflächen. 1984 eröffnete in Neckarsulm der erste Markt unter dem Namen Kaufland. Alle bestehenden Handelshof-Supermarkte wurden schrittweise in Kaufland umbenannt.
Ein wichtiger Wachstumsschritt war die Übernahme von 101 Real-Standorten im Jahr 2020/2021, nachdem die Handelskette Real an einen russischen Investor verkauft worden war. Kaufland übernahm dabei auch den Online-Marktplatz real.de, der inzwischen als kaufland.de weiterläuft. Bis 2025 plant Kaufland in Deutschland die Eröffnung von bis zu 20 neuen Filialen jährlich.
Formal gehört Kaufland über die Schwarz Beteiligungs-GmbH der Dieter Schwarz Stiftung gGmbH. Dieter Schwarz übertrug sein Vermögen ab 1999 schrittweise in diese gemeinnützige Stiftung. Diese Konstruktion dient mehreren Zwecken: Sie schützt das Unternehmen vor einem Verkauf oder einer Zerschlagung durch Erbfolge, spart Steuern und ermöglicht es, einen Teil der Gewinne in gemeinnützige Projekte zu investieren. Die Dieter-Schwarz-Stiftung fördert unter anderem Bildungseinrichtungen in der Region Heilbronn-Franken, darunter die Hochschule Heilbronn und den Wissenschaftspark Experimenta.
Trotz der Stiftungskonstruktion hat Dieter Schwarz die faktische Kontrolle über den Konzern behalten. Als eine der reichsten Privatpersonen Deutschlands wird sein Vermögen auf rund 36 Milliarden Euro geschätzt.
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