Der traditionsreiche Herrenausstatter Wormland ist endgültig Geschichte. Nach zwei Insolvenzverfahren innerhalb von nur 18 Monaten und dem Scheitern einer Übernahme beschloss der Gläubigerausschuss im Januar 2026 die vollständige Abwicklung des Unternehmens. Rund 250 Mitarbeiter verlieren ihre Jobs, fast alle Filialen schließen. Was steckt hinter dem Fall Wormland?
Wormland wurde 1935 in Hannover gegründet und galt jahrzehntelang als eine der renommiertesten Adressen für gehobene Herrenmode in Deutschland. Das Unternehmen positionierte sich als Avantgardist der Herrenmode und betrieb Filialen unter den Marken Wormland und Theo in mehreren deutschen Städten. Doch der steigende Druck durch Online-Handel und verändertes Kaufverhalten brachte das Unternehmen ins Wanken.
| Zeitpunkt | Ereignis |
|---|---|
| 1935 | Gründung in Hannover |
| 2024 (Frühjahr) | Erste Insolvenz: Schutzschirmverfahren in Eigenregie |
| August 2024 | Übernahme durch Modehaus Lengermann & Trieschmann (L&T) aus Osnabrück, ca. 300 Mitarbeiter |
| November 2025 | Zweite Insolvenz: Antrag beim Amtsgericht Osnabrück, vorläufiger Insolvenzverwalter Stephan Michels |
| Januar 2026 | Gläubigerausschuss beschließt Schließung, Kündigungen aller 250 Mitarbeiter |
Im August 2024 schien Wormland gerettet: Das Osnabrücker Familienunternehmen Lengermann & Trieschmann (L&T) übernahm den Herrenausstatter mit damals noch rund 300 Mitarbeitern. Doch nur 15 Monate später musste Wormland erneut Insolvenz anmelden. L&T-Chef Mark Rauschen räumte eigene Fehler ein: Man sei in die Planungen der bisherigen Geschäftsführung eingestiegen und habe zu spät erkannt, dass tiefere Einschnitte nötig gewesen wären.
Geschäftsführer Ralf Napiwotzki nannte als Hauptgrund die anhaltende Kaufzurükhaltung bei Herrenmode. Dazu kamen hohe Fixkosten und die unrentablen Mietverträge für Filialen in bester Innenstadtlage, die selbst bei starken Umsätzen kaum zu erwirtschaften gewesen seien. Der Unternehmenssitz war bereits von Hannover nach Osnabrück verlegt worden, um Verwaltungskosten zu senken. Es reichte nicht.
Anhaltend schwache Nachfrage im Premium-Herrensegment
Zu hohe Fixkosten und Mietbelastungen in Innenstadtlagen
Fehlgeschlagene Sanierungseffekte unter dem L&T-Dach
Kein tragfähiges Omnichannel-Konzept gegen Online-Konkurrenz
Allgemeine Konsumzurükhaltung in Deutschland 2024/2025
Der Gläubigerausschuss beschloss Ende Januar 2026 die vollständige Abwicklung. Allen rund 250 Beschäftigten sowie den Vermietern der Ladenflächen wurde gekündigt. Von den acht verbliebenen Filialen bleiben nur noch die Standorte in Hannover und Oberhausen geöffnet, um die vorhandenen Warenbetände im Abverkauf abzuwickeln. Insolvenzverwalter Stephan Michels ließ ein kleines Tür offen: Falls Investoren sich doch noch mit den Vermietern der Wormland-Filialen einigen, könnten Gespräche über eine Übernahme einzelner Standorte weiterführen.
Gegründet: 1935 in Hannover
Mitarbeiter (Nov. 2025): ca. 250
Filialen bei zweiter Insolvenz: 9
Insolvenzverwalter: Stephan Michels, Amtsgericht Osnabrück
Filialen im Abverkauf: Hannover und Oberhausen
Der Fall Wormland steht stellvertretend für eine tiefe Strukturkrise im deutschen Herrenausstatter-Segment. Klassische Konzepte mit Filialen in hochpreisigen Innenstadtlagen kämpfen deutschlandweit gegen sinkende Kaufbereitschaft, steigende Betriebskosten und die wachsende Konkurrenz von Online-Plattformen wie Zalando oder About You. Wer keine klare Digitalstrategie, flexible Kostenstrukturen und eine robuste Kapitalbasis hat, geraten unter anhaltenden Margendruck schnell in existenzielle Schwierigkeiten.
Wormland ist damit kein Einzelfall: Auch andere Traditionsmarken wie Görtz oder Gerry Weber haben in ähnlichem Zeitraum mehrfach Insolvenz angemeldet. Mehr zu den Hintergründen der Insolvenzwelle im deutschen Einzelhandel 2025 findest du in der News-Kategorie auf branchen-leader.com.
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