Hammer und Schlau Insolvenz: Vom Traditionskonzern zur Doppelpleite

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  • vor 4 Wochen
  • Letztes Update: Apr. 2026

Verfasst von Redaktion (blR)

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Die Marke Hammer kennt fast jeder: Raumausstattung, Heimtextilien, Tapeten und Bodenbeläge. Doch hinter dem vertrauten Logo steckt eine der dramatischsten Firmengeschichten des deutschen Einzelhandels in jüngster Zeit. Die Brüder Schlau Gruppe, Mutter von Hammer und Schlau, ist zweimal insolvent gegangen. Im März 2026 läuft in 44 Filialen bereits der Räumungsverkauf.

⚠️ Aktueller Stand (März 2026): Die Hammer Raumstylisten GmbH ist seit Januar 2026 erneut in vorläufiger Insolvenzverwaltung. In 44 von 87 Filialen läuft ein Räumungsverkauf. Sechs Investoren sind noch im Prozess aktiv. Der Gläubigerausschuss entscheidet Anfang April 2026 über die Zukunft der Marke.

Die Geschichte der Brüder Schlau Gruppe

Die Brüder Schlau Gruppe hat Wurzeln, die bis ins Jahr 1921 zurückgehen. Damals gründeten die Brüder Theodor und Wilhelm Schlau in Minden eine Farbenroßhandlung. 1976 eröffneten die ersten Hammer-Einrichtungsmärkte in Bremerhaven und Lübbecke. Jahrzehntelang baute das Unternehmen sein Netz mit über 180 Hammer-Fachmärkten für Raumausstattung und Heimtextilien sowie rund 60 Schlau-Handwerkermarkten aus. Mit Sitz in Porta Westfalica gehörte die Gruppe zu den großen Namen im deutschen Facheinzelhandel.

Zeitpunkt Ereignis
1921 Gründung als Farbenroßhandlung durch Brüder Schlau in Minden
1976 Eröffnung der ersten Hammer-Einrichtungsmärkte in Bremerhaven und Lübbecke
25. Juni 2025 Erste Insolvenz: Antrag auf Eigenverwaltung beim Amtsgericht Bielefeld, ca. 3.900 Mitarbeiter betroffen
Oktober 2025 Übernahme durch REThink-Konsortium, Neustart als Hammer Raumstylisten GmbH mit 93 Filialen
27. Januar 2026 Zweite Insolvenz: Vorläufige Insolvenzverwaltung über Hammer Raumstylisten GmbH angeordnet
März 2026 Räumungsverkauf in 44 von 87 Filialen, Investorensuche läuft, Entscheidung Anfang April erwartet

Erste Insolvenz: Sommer 2025

Am 25. Juni 2025 stellte die Brüder Schlau GmbH & Co. KG beim Amtsgericht Bielefeld den Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung. Das Unternehmen begründete den Schritt mit strukturellen Herausforderungen im Marktumfeld und anhaltenden wirtschaftlichen Belastungen: zu wenig Umsatz, zu hohe Kosten, verändertes Kaufverhalten. Betroffen waren rund 3.900 Mitarbeiter in über 240 Filialen. Rechtsanwalt Yorck Streitbörger wurde als Generalbevollmächtigter ernannt. Die Gehälter der Beschäftigten waren bis August 2025 über Insolvenzgeld gesichert, alle Filialen blieben zunächst geöffnet.

💡 Was ist die Eigenverwaltung? Bei einer Insolvenz in Eigenverwaltung bleibt die Geschäftsführung im Amt und saniert das Unternehmen selbst, anstatt die Kontrolle an einen externen Insolvenzverwalter abzugeben. Ein gerichtlich bestellter Sachwalter überwacht das Verfahren. Diese Form bietet mehr Handlungsspielraum, gilt aber auch als riskanter, weil die gleichen Manager, die das Unternehmen in die Krise geführt haben, die Sanierung leiten.

Zweiter Anlauf: Hammer Raumstylisten GmbH

Im Oktober 2025 übernahm das sogenannte REThink-Konsortium die Unternehmensgruppe und gründete die Hammer Raumstylisten GmbH. 93 Filialen sollten die Basis für das neue Geschäftsmodell bilden, positioniert als hochwertiger Raumausstatter mit Beratungs- und Handwerksleistungen. Der Neustart sollte das Kerngeschäft von Massenware auf beratungsintensive Premiumdienstleistungen verlagern.

Doch schon drei Monate später war der zweite Anlauf gescheitert. Am 27. Januar 2026 ordnete das Amtsgericht Bielefeld die vorläufige Insolvenzverwaltung über die Hammer Raumstylisten GmbH an. Als Ursache nannte das Unternehmen Anlaufverzögerungen in der Warenversorgung nach der Neugründung, die zu erheblichen Umsatzausfällen geführt hatten. Dazu kam das weiterhin schwierige Marktumfeld im stationären Facheinzelhandel.

Räumungsverkauf in 44 Filialen

Im März 2026 spitzte sich die Lage zu: In 44 von 87 noch geöffneten Filialen läuft ein Räumungsverkauf, weil sich für diese Standorte kein Investor gefunden hat. Noch sechs Interessenten sind aktiv im Bieterprozess. Zwei davon wollen Hammer mit deutlich weniger Standorten weiterführen. Die Gehälter der rund 1.100 verbliebenen Beschäftigten sind bis Ende März 2026 über Insolvenzgeld gesichert. Anfang April 2026 entscheidet der Gläubigerausschuss über die Fortführung. Das Ziel ist, möglichst viele Standorte und Arbeitsplätze zu erhalten.

📊 Hammer / Schlau in Zahlen:Gegründet: 1921 in Minden
Mitarbeiter (erste Insolvenz Juni 2025): ca. 3.900
Mitarbeiter (zweite Insolvenz Jan. 2026): ca. 1.100
Hammer-Filialen vor erster Insolvenz: über 180
Filialen nach Neustart Oktober 2025: 93
Filialen mit Räumungsverkauf (März 2026): 44
Sachwalter/Insolvenzverwalter: Prof. Dr. Dirk Andres (AndresPartner), Amtsgericht Bielefeld

Was bedeutet das für Kunden?

Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt, dass in allen Insolvenzverfahren der Hammer-Gruppe sogenannte Masseunzulänglichkeit vorliegt. Das bedeutet: Das Geld in der Insolvenzmasse reicht nicht aus, um alle Kosten zu decken. Für Kunden mit laufenden Verträgen oder offenen Aufträgen sind die Chancen auf Erfüllung oder Rückzahlung daher gering. Wer plant, in einem noch geöffneten Hammer-Markt größere Einkäufe zu tätigen, sollte Vergleichsangebote anderer Anbieter einholen und auf sichere Zahlungsarten wie Kreditkarte oder PayPal setzen.

Der Fall Hammer zeigt exemplarisch, wie fragil Handelsstrukturen geworden sind. Mehr zu aktuellen Insolvenzen im deutschen Einzelhandel findest du auch in unseren Berichten zur Görtz Insolvenz und zur Wormland Insolvenz.

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